6. Februar 2014

Leistungssteigerung durch Rote Bete? Teil 2: Rote-Bete-Saft aus dem Supermarkt, selbst gepresst oder doch das High-Tech-Produkt der Industrie?

In meinem ersten Blog-Post zum Thema "Leistungssteigerung durch Rote Bete?" bin ich auf die Grundlagen, die Theorie und einige Forschungs- und Studienergebnisse eingegangen - hier könnt Ihr diesen Artikel lesen. Nun zu Teil 2 ...

Wie sollte ein Sportler die Rote Bete zu sich nehmen?


In diesem Blog-Post möchte ich beleuchten, welche Möglichkeiten Ihr habt, Rote Bete - also das angeblich leistungssteigernde Nitrat - zu Euch zu nehmen, welche Vor- oder Nachteile Ihr bei den einzelnen Produkten habt, welche Kosten auf Euch zukommen und natürlich, wie das ganze am Ende schmeckt.


Große Auswahl: Allein "mein" Kaufland bietet 3 RB-Säfte.

Hierzu "teste" ich verschiedene Rote Bete-Säfte, die ich in ganz normalen Supermärkten oder Bio-Läden kaufen kann (in meinem Fall Kaufland und Bio Company), probiere das eine oder andere Rezept für selbst gepressten Rotebete-Saft aus und schaue mir ein Rote-Bete-Produkt an, das der Schweizer Spezialist für Endurance-Sportsfood Sponser seit etwa einem Jahr anbietet.

Ob Rote Bete nun wirklich das legale "Bio-Doping" ist und ob ich als stinknormaler Hobbysportler ohne profiärztliche Anleitung oder der eines Trainers (so, wie es den meisten von uns gehen wird) leistungssteigernde Wirkungen damit erzielen kann, das teste ich gerade während meiner Vorbereitung auf den Rom-Marathon Ende März. Das wird dann auch Teil 3 und damit letzter Teil meiner Rote Bete-Serie werden. Heute geht es aber erst einmal um die verschiedenen Formen, sich den roten Saft zuzuführen.

Rote-Bete-Saft aus dem Supermarkt: Riesenauswahl. Doch wo sind die Unterschiede?


In unserem lokalen Kaufland hier in Altona entdecke ich im Saftregal 3 Rote-Bete-Säfte und lange zu. Für ein Nischenprodukt (dachte ich immer) ganz schön viele Anbieter, wie ich finde.

Generell habt Ihr die Auswahl zwischen Säften, die naturbelassen als Direksaft oder aus Konzentraten hergestellt werden, oder die milchsauer vergorenen Säfte.

Bei dem milchsauer vergorenen Saft wird ein Teil des im Saft enthaltenen Fruchtzuckers in Milchsäure aufgespalten. Das hat zur Folge, dass sich vor allem der pH-Wert des Saftes reduziert - der Gemüsesaft wird also etwas saurer. Das ganze wird gemacht, um die Haltbarkeit zu verlängern.

Milchsauer vergorene Säfte haben als Nebeneffekt einen höheren Vitamin-B12-Anteil, als ihre naturbelassenen Brüder, allerdings schmecken diese Säfte auch etwas anders - dazu aber später.



Auch bei Bio-Company: Immerhin 2 Säfte. Beide milchsauer vergoren.

Sebastian, mit dem ich den Endura Alpentraum gefahren bin und der mich auf den Rote-Bete-Trip gebracht hat, warnte damals: "Milchsauer vergoren - das macht schön Durchfall, also aufpassen!" Generell regt nämlich dieser Saft die Verdauung stärker (und schneller) an, als naturbelassener Saft. Was ich im übrigen nur teilweise bestätigen kann - da hat manch´ starker Kaffee noch ganz anders durchgeschlagen ...

Aber zurück zu den Säften. Neben dem milchsauer vergorenen Saft (in meinem Fall beim in Sachen Rote-Bete doch erstaunlich gut ausgestatteten Kaufland) bietet der Laden noch eine Variante von Schneekoppe und eine Variante in der praktischen 1-Liter-Packung von Grünfink an.


Überraschend: Selbst pressen kostet (viel) mehr.

Letztere als naturbelassene Direktsaft-Variante. Preislich gesehen sind die Unterscheide spürbar, allerdings angesichts der in unserem Sport üblichen Budgets doch eher zu vernachlässigen: So komme ich auf 50 Cent bis 3,56 Euro pro "Shot" - also die 500 ml-Gabe.

Was mich überrascht: Wenn ich selbst pressen will, wähle ich damit die teuerste Variante - und das ist nur der Preis für frische Rote Bete. Das High-End-Produkt liegt mit 3 € pro Shot zwar wesentlich höherpreisig, als die Saftvarianten, aber das hat auch seinen Grund.

(Keine) Alternative selbst gepresster, frischer Rote-Bete-Saft?


"Wissen was drin ist", das ist oft für viele Motivation, die Dinge selbst herzustellen. Das will ich natürlich auch ausprobieren und lade mir 1 Kilogramm Rote Bete-Knollen in den Korb. Ein Kilo, das benötige ich auch, denn die ergeben nach dem Entsaften gerade einmal knapp mehr als 500 ml Rote Bete Saft - also ein "Shot".

Abgesehen davon, dass der Anschaffungspreis für einen ordentlichen Entsafter noch eingerechnet werden muss, komme ich mit 3,56 Euro/500 ml Saft bei der Selbstpress-Variante ganze sieben mal teurer weg, als bei der Bio-Natursaft-Variante von Grünfink. Hätte ich nicht gedacht ...


Vorgekochte Rote Bete (links) taugt hierfür nix.
Mäßig lecker, dazu aufwändig: Knollen schälen & auspressen. (rechts)

Zudem, "praktisch" ist was anderes ... Die Rote Bete-Knollen müssen geschält werden, was angesichts der enormen Färbekraft des Gemüses schon mal zur Herausforderung werden kann. Dann entsaften, dann verfeinern. 

Denn reinen Rote Bete-Saft kann man nicht trinken - es sei denn, man steht auf den muffigen Geschmack feuchter Fußballer-Unterhosen nach einem Regenspiel, die schon 2 Tage in einem Wäschepuff luftdicht vor sich hingaren konnten ... 


Rote Bete: Für 500 ml Saft braucht man ca. 1 kg Gemüse.

Ich selbst gebe zu den Rote Bete-Knollen deshalb ein, zwei Karotten und einen Apfel. Das macht die ganze Sache etwas süßer, nimmt leicht den erdigen Grundgeschmack und sorgt zudem zusätzlich für eine gute Portion Vitamin-C und Beta-Carotin.

Schmecken tut das ganze dann eher ... mäßig. Ich weiß nicht, ob es an der Jahreszeit liegt oder ich gerade eine sehr erdige Charge hatte, aber der Geschmack des frischen Saftes kann mich nicht begeistern. Selbst, wenn man sich vorstellt, man trinke da ganz gesunde "Medizin", die einen schneller machen würde - es kostet viel Überwindung, einen halben Liter davon herunter zu spülen.

Zudem: Um mir 500 ml selbst gepressten Saft zuzubereiten, brauche ich 25 Minuten Zeit. Kein Vergleich zum "Deckel ab - und runter damit". 

Blutrotes Urin - lustiger, vielleicht erschreckender - aber harmloser Nebeneffekt der Roten Bete


Eigentlich wollte ich auch die Wirkung von selbstgepresstem Saft nach 4 Tagen Nitratloading bei einem Halbmarathon testen. Das breche ich aber schon am ersten Tag ab: Keine 20 Minuten, nachdem ich den Saft getrunken habe, bekomme ich heftigen Durchfall ...

Also lieber weiter die Kaufsäfte testen.

Dabei nicht erschrecken: Denn etwas komisch wird das schon. Spätestens am zweiten Tag, also nach einem Liter Rote Bete-Saft, werdet Ihr eine Überraschung beim Toiletengang erleben. Ich bin ja sonst nicht so, und mein Blog soll frei von Anzüglichkeiten oder Ekeldingen sein, aber darüber kann man ja mal ganz offen sprechen und es abbilden. Also keine Bange - ich finde den Farbeffekt sogar ganz witzig ...


So sieht das dann aus, nach ein, zwei Tagen ...

Die Verfärbungen tun nicht weh, sind nicht schädlich und stören auch sonst nicht: Beim ersten Mal können die nur etwas überraschen oder einen kleinen Schrecken einjagen. Also, alle, die auch mal Rote Bete Saft und Nitratloading über den Saft probieren wollen: Hiermit seid Ihr vorgewarnt.

High Tech-Produkte der Sportfood-Industrie


Die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln - also die berühmt-berüchtigten Gel-Tütchen und Wunderpulver - haben sich dieses Trends schon längst angenommen. Mein geschätzter Laufkollege Stefan, der unter work-2-chill bloggt, testet zurzeit neben dem Rote-Bete-Saft ein Produkt der österreichischen Firma Voglsam GmbH, genannt Fitrabbit. Ich bin auf seine Ergebnisse gespannt.


Ich teste das High-Tech Produkt von Sponser natürlich auch.

Ich selbst bin als begeisterter Nutzer der Produkte des Schweizer Herstellers Sponser Sportsfood auf deren Rote-Bete-Shots aufmerksam geworden: Red Beet Vinitrox.

Die Vorteile dieses Produktes fasst Remu Jutzeler, Leiter Forschung & Entwicklung bei Sponser, für mich folgendermaßen zusammen: "Unser Produkt enthält einen ganz klar definierten Anteil Nitrat - die Sportler können die Dosierung also ganz genau einstellen. Zudem ist, neben den positiven Zusatzwirkungen durch dem Produkt zugesetzte Arginine und Ornithine, die extrem kleine Trinkmenge von großem Vorteil: Wo viele Sportler mindestens 500 ml Saft vor den Belastungen, mit all den Verdauungs-Implikationen, zu sich nehmen, ist unsere Dosierung mit den kleinen 60 ml-Fläschchen da sehr viel praktischer."

Meine Empfehlung - Rote Bete im Ausdauersport, nur welche?


Der Nitratgehalt im natürlichen Rote Bete-Saft unterliegt vielen Schwankungen und wird von den Saftherstellern auch nicht gemessen oder vereinheitlicht - wie es etwa bei der Homogenisierung von Kuhmilch geschieht. Demnach ist natürlich auch jahreszeit-, düngungstechnisch oder geografiebedingt der Nitrat-Gehalt in den ganzen Rote Bete-Knollen, die Ihr im Supermarkt kaufen könnt, unterschiedlich. 

Remo Jutzeler sagt hierzu: "Wir haben hier bei uns zum Beispiel ein Rote Bete-Pulver - das an sich sehr gut schmecken würde - bei dem die Nitratgehalt-Angaben von 2.400 bis 9.200 mg Nitrat pro Kilogramm schwankt!" Das sind plus minus 60% vom Mittelwert dieses Produktes. Eine enorme Schwankung!

1 Kilogramm Pulver ergeben ganze 9 Liter Saft - die in den Studien nachgewiesene und damit für messbare Effekte mindestens empfohlene Menge von 400 mg Nitrat würde dann bei diesem Pulver im schlimmsten Fall das Trinken von 1,5 Litern vor der Belastung erfordern. Recht unpraktikabel.


Säfte - egal welche - haben stark schwankende Nitrat-Gehalte.

Wie will man dann, wenn man ernsthafte, beobachtbare und auf die Wirkung von Nitrat rückführbare Schlüsse ziehen wollte, die Aufnahme einer immer gleichen Menge garantieren? Das geht dann eben nur mit nivellierten, standardisierten und hochdosierten Industrieprodukten: Eben zum Beispiel mit dem von Sponser.

Ich habe für meinen Test, dessen Ergebnisse Ihr im dritten Blog-Post meiner Rote-Bete-Reihe werdet lesen können, trotzdem entschieden, diverse Säfte ein mal zu testen. Den milchsauer vergorenen habe ich bereits in einem Halbmarathon probiert - diese Woche steht der naturbelassene Direktsaft, dann die Sponser-Produkte an.

Das alles vergleiche ich dann mit Daten "ohne" RB-Power von 2013. Ich bin gespant.

Mein Gefühl bisher: Ich erziele mit den beiden milchsauer vergorenen Produkten zwar Pace-Verbesserungen, die sind aber weder umwerfend noch so signifikant, dass ich sie - auf vom subjektiven Laufgefühl - dem Rote Bete-Saft zuordnen könnte. Aber es stehen ja noch einige Vergleichsläufe aus ...



Von den Kaufsäften hat mir Grünfink noch am besten geschmeckt.
Preislich mit 99 Ct. für 1 l auch der Hammer.

Die richtig harten Trainings werde ich dann mit dem Mercedes unter den Rote Bete-Produkten, Sponser Red Beet Vinitrox, durchführen. Ich bin sehr gespannt. Mehr dazu findet Ihr dann im dritten und letzten Blog-Post, der dann die Trainingsergebnisse enthalten wir, die ich mit meinen Lauftrainings ohne RB-Tuning von 2012 vergleichen werde.

Ich denke, das wird gegen Mitte März dann soweit sein. Bis dahin: Trainiert fleißig.


Habt Ihr Erfahrungen mit Rote Bete-Säften oder -Produkten? Ich freue mich über Eure Comments.

Kommentare:

  1. Danke für die Erwähnung Lars! Meine Tests ziehen sich noch etwas. Muss ja erst zum Halbmarathon Ende April wissen, was am besten für mich ist. Werde jetzt sukzessive in meinem Tempodauerläufen des Steffny-Plans sowohl die Supermarktprodukte, als auch fitrabbit testen... und berichten! Dir weiter viel Erfolg. lass es laufen ;-)

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    1. moin stefan,

      danke für den comment. jo, hab noch einen saft auf dem plan, nachdem selbstpressen zu krass war, und dann die "echten" produkte.
      bin sehr gespannt!

      ride hard,
      L

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    2. von fitrabbit kann ich als Radsportler nur positives berichten!! man darf nicht vergessen, dass die Rote Beete nur über einen bestimmten Zeitraum wirkt....es werden keine sogenannten Speicher gebildet!!

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  2. Grünfink und Granufink scheinen hier nahe beieinander zu liegen...

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    1. eine analogie, die ich sehr häufig höre in letzter zeit :)

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  3. Hallo Lars,

    ich bin Kampfsportler und habe nach legaler Leistungssteigerung für Wettbewerbe gesucht. Dabei bin ich auch natürlich auf Rote Beete Saft gestoßen. Meine Erfahrung ist: Rote Beete Saft lässt mich zwar nicht fliegen, aber ich habe deutliche Leistungsverbesserung was die Ausdauer betrifft, bemerkt. Vielen Dank für deine Artikel. Sie haben mich motiviert das Experiment durch zu ziehen.
    Vielleicht besuchst du ja auch mal meinen Blog
    http://blog-der-kampfkunst.de/

    Gruß Martin

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  4. wie sieht das den mit dem Oxalsäuregehalt aus? das ist ja für die Nieren nicht so gut und wird nirgends deklariert ist aber in Mengen vorhanden

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